Ab 2015 soll ein Anruf nach Spanien nicht teurer sein als nach Gmunden - OÖN

 

BRÜSSEL. Nicht einmal drei Wochen ist es her, dass die dritte Roaming-Verordnung der Europäischen Union in Kraft getreten ist, schon wird über weitere Schritte diskutiert, um Telefonieren und mobiles Surfen im Ausland billiger zu machen.


„Unser Ziel ist es, dass innerhalb der EU ab 2015 kein Unterschied mehr besteht, ob man im In- oder im Ausland telefoniert“, sagt der Welser EU-Abgeordnete Paul Rübig (VP) im Gespräch mit den OÖNachrichten. Rübig hat vor einigen Jahren die Diskussion über zu hohe Roaminggebühren losgetreten. Die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes hat das angepeilte Zielt ebenfalls bestätigt. Schon im kommenden Jahr soll den Konsumenten überdies freigestellt werden, welchen Betreiber sie im Ausland wählen wollen, sagt Rübig. Bisher ist dies vom heimischen Anbieter abhängig.


„Kein Eingriff in freien Markt“


Schon die aktuelle Roaming-3-Verordnung, die die Maximalpreise für Roaming (siehe Kasten rechts) nach unten geschraubt hat, hat Diskussionen über die freie Preisbildung auf den Märkten hervorgerufen. Rübig entgegnet den Kritikern: „Die früheren Preise waren völlig überzogen, hier hat ein Marktmissbrauch stattgefunden.“ Man habe allerdings die Grenzen relativ hoch angesetzt, um nicht direkt in die Preisbildung einzugreifen. „Wir haben die Kosten plus eine Marge und einen Sicherheitsabstand zur Bestimmung des Maximalpreises verwendet“, erklärt der Abgeordnete.
Dass die Netzbetreiber, die in Österreich über sinkende Margen klagen, noch weniger verdienen würden, bestreitet Rübig: „Das Telefonieren war derart überteuert, dass viele ihr Handy im Ausland abgeschaltet haben. Das bringt dem Betreiber dann gar keine Umsätze.“
Rübig betont, dass es für die Anbieter nicht unmöglich sei, auf Roaminggebühren generell zu verzichten. Schon jetzt biete Hutchison/3 Tarife an, zu denen man innerhalb des „3“-Netzes auch im Ausland zum Inlandstarif telefonieren, Nachrichten versenden und im Internet surfen kann. Innerhalb der EU ist dies in Italien, Großbritannien, Irland, Schweden und Dänemark möglich.
Dort kann man auch zum Heimattarif surfen. Andernfalls kann das mobile Internet weiterhin zur Kostenfalle werden. Pro Gigabyte sind seit 1. Juli zwar maximal noch 860 Euro fällig – doch auch die können die Lust am mobilen Surfen im Ausland schnell verderben.
 


Roaming in der EU


Seit 1. Juli dürfen innerhalb der EU getätigte Anrufe maximal 35 Cent, empfangene Anrufe sowie gesendete SMS elf Cent und ein Megabyte Datenvolumen 84 Cent kosten (inklusive österreichischer Umsatzsteuer).
 
Im kommenden Jahr sollen die Höchstpreise auf 19 Cent pro Minute, sechs Cent pro SMS und 20 Cent pro Megabyte gesenkt werden. Ab 2015 sollen teurere Auslandstarife in der EU der Vergangenheit angehören.
 
Trotz der neuen Obergrenzen kann vor allem der Datenverkehr teuer werden. Jedoch sind die Betreiber mittlerweile verpflichtet, dem Kunden mitzuteilen, wenn die Rechnung (ohne Grundgebühr) 60 Euro übersteigt. Danach muss bestätigt werden, dass man einverstanden ist, die Dienste weiter nutzen zu können.
 
Erhält man eine derartige Verständigung, ist Vorsicht angesagt. Danach gibt es keinen zusätzlichen Schutzmechanismus und die Handy-Rechnung kann (vor allem bei Datenverkehr) schnell astronomische Höhen erreichen.
 
Bei den meisten Anbietern kann ein Roamingpaket gebucht werden, womit die Kosten deutlich reduziert werden. „3“ verrechnet in Großbritannien, Irland, Italien, Dänemark, Schweden und Hongkong die gleichen Kosten wie in Österreich.

 

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